Weil erstens Ansichten sich ändern, und zweitens ich das darf.


Oder auch: das Ende einer Liebesgeschichte, die ein Leben lang halten sollte.

Ich hab gehört als Fashionblogging ist grad hip. Hier kommt jetzt aber eher so ein Anti-Fashion-Post. Und zwar war ich grad Vans kaufen. In Utrecht haben wir den Luxus, einen Vans-Laden zu haben. Also von Vans, komplett voller Vans. Das einzige was sie neben Vans in allen Farben und Grössen verkaufen, ist Kleidung und Taschen und Kappen von Vans (na gut, und ein paar Nixon-Uhren). Mir war der Laden bisher immer sehr sympathisch, habe da auch das ein oder andere Paar Schuhe erworben. Sympathisch auch wegen der Verkäufer, die ganz offensichtlich vermitteln sollen, welche Subkultur Vans früher einmal verkörperte: Tattoosleeves, Bandshirts… und äh, weiter komm ich grad in der Beschreibung nicht, weil naja. Bin halt doch nicht so die Fashionbloggerin. Aber ihr versteht was ich meine. Nette Leute also, wahrscheinlich sogar mit Musikgeschmack. Dass sie genau deswegen den Job gekriegt haben, tut jetzt erst mal nicht zur Sache.
Seit einiger Zeit läuft aber ungefähr jeder in Utrecht (und auch sonst wo) in Vans rum, es ist halt Mode geworden. Kann ja passieren.

Jetzt gehöre ich zu den Leuten, die schon seit Jahren Vans kaufen. Ich durfte mir mehr als ein Mal anhören, dass Slip Ons „aussehen wie Pantoffel“ (danke dafür nochmal). Aber das machte nichts. Mode ist ja nicht nur eine Sache des Geschmacks, sondern auch eine Form der Gruppenzugehörigkeit. Und in diesen Schuhen vereinte sich das für mich ziemlich gut: maximaler Komfort, hohe Kompatibilität mit sonstiger Kleidung, passte zum Freundeskreis. Perfekt für mich, die Schuhe kaufen hasst. Demnach habe ich das perfektioniert: ich weiß meine Größe (40 ½), ich weiß die Preise auswendig und ab und zu probier ich mal ein neues Modell. Seit Jahren trage ich auch schwarze Slip Ons zum Kellnern – der hohe Gummirand ist z.B. unfassbar praktisch, wenn man am Ende des Tages die Theke flutet.
Der neue Hype war zwar ein bisschen nervig, aber hey. Ich gönn’s den Jungs im Vans-Laden ja, und solang wir uns unterhalten und uns allen klar ist, dass wir Vans vor dem Hype getragen haben und nach dem Hype noch tragen werden ist ja alles in Ordnung.

Heute bin ich also losgezogen um ein neues Paar schwarze Slip Ons für die Arbeit zu kaufen. Die hatten sich jetzt schon vier Jahre lang bewährt und außerdem brauchte ich dann nicht mehr nachdenken. Zielstrebig stiefel ich also in den Laden, komplett mit Szenemerkmalen ausgestattet (Stoffbeutel, Headphones, „Skaterjacke“, „Baggyhose“ – jaja, das heißt anders, aber wie?!), laufe ohne mich umzuschauen zur Verkäuferin und sage, was ich will (wisst ihr ja jetzt schon). Sie holt die, ich steh schon wartend mit der Geldkarte in der Hand. Sie kommt wieder, fragt, ob ich sie noch anprobieren will – ich winke gelassen ab, Nee du. Und zähle im Kopf nach das wievielte Paar Vans das jetzt wohl ist (6te oder 7te?). Beim Bezahlen musste ich dann kurz schlucken. 60€?? Meine Güte. Das ist ja schon ein bisschen viel für Arbeitsschuhe. Aber nein, ich bin ja cool, ich kann ja mein Gesicht jetzt nicht verlieren. 60€. „Bestätigen“ drücken. Weiter geht’s.

Zuhause angekommen, erfreue ich mich erst mal daran, wie schön sie aussehen. Ziehe sie an, und klebe mir vorsichtshalber schon mal Pflaster an die Fersen – ich bin ja nicht blöd, ich weiß ja wie weh das einlaufen tut! Hm. Sitzen irgendwie komisch. Ob die wohl die Größen geändert… saßen die schon immer so… habe ich wirklich 60€ für simple schwarze Schuhe… Huch, ich rutsch da ja hinten raus… Aber das waren doch die Schuhe, die perfekt waren und wo ich nicht nachdenken musste!

MENNO! Und dann kommt mir noch dieses kritische Zitat in den Kopf.

„Unser ganzes Wirtschaftssystem beruht darauf Dinge zu kaufen, die wir nicht brauchen, von Geld, was wir nicht haben, um Leute zu beeindrucken, die wir nicht mögen. Beschränkte sich ein jeder auf das, was er tatsächlich braucht, so bräche dagegen alles zusammen. Dieses Paradox ist das Stigma unserer Zeit.“ 

Es ärgert mich ja schon sehr. Es ärgerte mich ja aber auch sehr, dass die letzten Vans nach 3 Monaten kaputt waren. Ich fürchte ich muss den nackten Tatsachen in die Augen sehen, mir ein Herz greifen und den Vans sagen, dass ich einfach keine Perspektive mehr sehe… und sie zurückbringen. Hach Mensch. Ein bisschen ziere ich mich ja schon in den hippen Laden zurück zu gehen. Ach, ich sag den Leuten im Laden einfach was hier in der Überschrift steht „hier habt ihr die Schuhe zurück, weil erstens Ansichten sich ändern, und zweitens ich das darf!“.

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Eine Antwort zu “Weil erstens Ansichten sich ändern, und zweitens ich das darf.

  1. Hehe, sehr schön, hat mich gefreut, was Neues zu lesen 🙂 Und sie stehen dir super! Bringst du sie nur zurück oder holst du auch neue? Magst du mal schauen, was die Vans Tory hi da kosten? =)

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