In der Kategorie „Hä?“: Die Sache mit den Schallplatten

Seit Dienstag gibt es Spotify in Deutschland. Kurz für den Unwissenden: Spotify ist eine Software wie iTunes, mit der du Musik abspielst – mit dem Unterschied, dass du die Musik übers Internet streamst und die Musiker da Geld für kriegen. Gibts gratis mit Werbeunterbrechung, oder eben für 5 oder 10 Euro ohne Reklame und mit diversen Extras. In Holland haben wir das schon ne ganze Weile – und weil die Werbung unfassbar nervt, habe ich einen „unlimited“ Account. Mehr zu Spotify hier. (Weiterer Vorteil: man kann durch Facebook Freunden Musik schicken und sehen, was die hören.)

Diese Woche habe ich zufälligerweise noch zwei Alben gekauft, und bin bei der Summe von 35€ ist mir dann doch ein bisschen mulmig geworden. Da ich viel Musik höre, sehe ich (und mein Geldbeutel) also sehr die Vorteile von Spotify. Trotzdem habe ich überlegt, wie das denn dann so perfektioniert werden kann, dass es komplett Cds ersetzen kann. In der Premium-Version kann man auch offline – und auf dem iPod hören. Das Problem der Mobilität ist also gelöst. Aber will ich wirklich die ganze Zeit über den schlechten Sound meiner Laptopboxen hören? Nein.

Also träumte ich ein bisschen weiter über die Musikzukunft und kam zu dem Schluss, dass ich mir ja zum Geburtstag eine richtige (lies: mit Eingang für Laptop/iPod) Anlage wünschen könnte, mit Verstärker und allem drum und dran. Und einem Plattenspieler. Natürlich. Weil’s cool ist. Und weil Platten Stil haben.

Aber warum eigentlich? Warum haben die Hälfte meiner Freunde einen Plattenspieler zuhause und die andere Hälfte den Wunsch einen zu besitzen – obwohl wir die Generation sind, die selbst gar keine Platten aufgelegt haben? Warum ist es in einer Zeit, wo alles klein und digital sein muss, auf einmal cool, riesige Musikträger-Kolosse zu besitzen?

Ich verstehe das Argument, dass man ein schönes Cover haben will. Aber das hab ich bei einer Cd auch, und dann oftmals mit noch schönerem und ausführlicherem Booklet. Die Qualität bei Cds ist besser, ich brauche nicht ständig aufstehen um eine Cd umzudrehen und ich kann ein Lied überspringen. Aus meiner Sicht nur Vorteile. Ist es also nur pure Nostalgie? Früher war alles besser, und deswegen wollen wir das Knistern eines Plattenspielers in unserer zu glatten digitalen Welt?

Warum hypen wir dann Kassetten nicht? Die sind doch auch von früher. Trotzdem gibt es wohl kaum eine Band die aus Hipness-Gründen ihr Album auch auf Kassette rausbringt. Gut, optisch gesehen ist die Kassette vielleicht einfach der kleine hässliche Bruder von Schallplatten. Und trotz der Mixtapes, die durchaus einen Hype wert wären, ist die Qualität meist noch schlechter.

Meine Erklärung für den Hype: man hört 90% der Musik digital, will aber die Bands, die man wirklich mag, doch mehr unterstützen als nur durch eine Musikflatrate. Und da Musikgeschmack in gewisser Weise auch ein Statussymbol ist, und der Mensch gerne etwas zum Anfassen haben will, kauft man sich Schallplatten. Versteh ich alles, und seh ich ähnlich. Trotzdem bleibt es mir ein Rätsel: warum kaufen wir dann nicht einfach Cds?!

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Veröffentlicht in Hä?

Permalink 8 Kommentare

8 Antworten zu “In der Kategorie „Hä?“: Die Sache mit den Schallplatten

  1. Ddd

    Dear, schönes Stück. Erstens; LP Cover Art lässt sich nicht durch CDs ersetzen. Das ist so wie Van Gogh Reproduktionen im Taschenbuch; man sieht nur die grobe Idee. Schau Dir mal den Klassiker Revolver an. Zweitens; Leute die ein Ohr dafür und Ahnung davon haben, sagen dass die Sound Qualität von LPs einfach besser ist. Zum nachlesen: http://electronics.howstuffworks.com/question487.htm
    Also haben meine Freunde die (damals als die CD das neueste war) die Sauberkeit und Brillanz des CD Sounds gelobt haben, einfach gelogen. Ich hörte nämlich nichts.

  2. Esther

    Weil wir denken, dass Vinyl etwas besonderes ist und wir uns damit von der Masse abgrenzen

    • Ja, vermutlich. Aber die Frage ist ja: warum denken wir, dass Vinyl etwas besonderes ist? Nur, weil die Masse es nicht hat? (Ich will ja selbst immer noch einen Plattenspieler und Schallplatten, obwohl ich die Gründe dahinter immer noch nicht 100%ig verstehe.)

      • Esther

        Ich denke schon, dass es was Besonderes ist, weil es eben nicht so einen Absatz hat, wie ne CD. Außerdem gibt es dann noch so schöne Sachen, wie farbiges Vinyl, besondere Auflagen (Erstauflage, die es nur so-und-so oft gibt), halt das Sammlerding.
        Micha sagte außerdem noch, dass das Handling für ihn auch viel ausmacht; halt gerade, dass die Platte anfällig ist und man damit sehr vorsichtig umgehen muss. Hat halt irgendwie was Besonderes, ne Platte aufzulegen, anstatt ne CD in den Player zu schmeißen.
        Platten lassen sich außerdem wunderbar als Wanddekoration gebrauchen. Ach ja, und die Booklets find ich bei CD’s nicht wirklich besser.

  3. Rene

    Ist halt noch mehr retro/oldschool, mehr cover, mehr groß, mehr Eindruck, im Gegensatz zur CD sieht man bei der Schallplatte noch die Nadel, statt einem verrückten Laser, dessen Funktionsweise die wenigsten nachvollziehen können und man hat noch das leichte Kratzen. Das sagt natürlich nichts über Klangqualität aus, die ist Digital vermutlich am höchsten, aber man hat halt noch was griffiges.

    Heute kann man auch nurnoch ebooks kaufen, aber man kauf halt doch mal nen Taschenbuch und bei besonderen Dingen auch nochmal nen Einband, weil der eben mehr hermacht. 🙂

    Btw.: Im prakmatischen Sinne einfach den Laptop per Bluetooth an die Anlage tun, dann kann man bequem vom Laptop streamen und hat die Klangqualität der Anlage 🙂

  4. Ddd

    Klangqualität ist -trotz Anfälligkeit für Kratzer- beim LP besser (siehe meinem früheren Kommentar)
    Da hilft Bluetooth auch nicht; digital bleibt digital. Die Anlage übersetzt nur ein digitales Signal zu einem Analogen. Wenn du etwas schwarz/weißes mit einer Farb-Kamera filmst, bleibt es trotzdem schwarz/weiß.
    Das ganze taktile (große Scheibe, anfassen, vorsichtig sein) ist natürlich schöner, aber wie die größeren LP Covers nicht ausschlaggebend. It’s the sound.

  5. In der Modewelt nennt man es ein Accessoire: Etwas, das nicht strikt nötig ist, ja, man könnte gar „überflüssig“ sagen. So wie ein Schal für den Sommer, Manschettenknöpfe (z.B. in Schmetterling- oder Herzform oder mit einem echten Gänseblümchen) für das Hemd, Sommerhüte usw. Dennoch oder gerade deshalb, weil es unnötig ist, geben manche Leute sehr viel dafür aus.

    Musik downloaden ist einfach und komfortabel – aber eben auch nicht so besonders. Bei einer Schallplatte hast du ‚was zum Anfassen, es ist ein Unikat, während du unendlich viele bitidentische Kopien deiner iTunes-Bibliothek anfertigen kannst.

    Stilvolle Accessoires verfeinern das Ambiente!

    P.S. Sehr frischer und fetziger Schreibstil übrigens.

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