Citizenship

Die Tage habe ich mir zum ersten Mal Gedanken darüber gemacht, wie arbiträr die Regeln der Bürgerschaft eigentlich sind. Zwei Freunde von mir sind Amerikaner und wollen gerne in Holland bleiben, dürfen das aber nicht, weil sie keine niederländische Staatsbürgerschaft haben. Innerhalb der EU sind wir mittlerweile doch alle sehr gleichgestellt, und als Deutsche oder Holländerin darf man doch in fast jedes Land der Welt einreisen. Daher fühlt sich ein Pass für mich doch sehr oft als eine Formalität an. Irgendwo ist dann immer der Gedanke im Hinterkopf, dass ich -wenn ich es nur wirklich will- überall in der Welt leben könnte.

Wenn man aber mal genauer drüber nachdenkt, ist das gar nicht der Fall. Also natürlich bin ich nicht völlig weltfremd, mir ist das Konzept eines Asylantenheims nicht fremd (die gäbe es ja nicht, wenn jeder überall einreisen dürfte). Aber wenn es schon für Amis so schwer ist, dann wird es wohl für die meisten Nicht-Europäer erheblich schwerer sein, um in einem Land wie den Niederlanden oder Deutschland leben zu können.

Warum ich das alles so arbiträr finde?! Für mich hat das System, dass man in einen gewissen Wohlstand geboren wird, etwas vom Adel weg. Da Königshäuser größtenteils abgeschafft sind, fällt es mir schwer nachzuvollziehen, warum die Tatsache, dass man zufälligerweise an einem Ort geboren ist, so lebensentscheidend ist. Man wird ja auch nicht in einer bestimmten Stadt geboren und gezwungen, dort sein ganzes Leben zu verbringen. Schon allein die Tatsache, dass schwangere Frauen extra in die USA fliegen um dort zu entbinden, und ihrem Neugeborenen damit die amerikanische Staatsbürgerschaft zu ermöglichen, zeugt davon wie schwachsinnig dieses System eigentlich ist.

Wenn man jetzt mal den Vergleich noch eine Ebene kleiner macht, hieße das, dass man in einem bestimmten Wohnhaus geboren wird, und andere nicht in dieses Wohnhaus ziehen dürfen – es sei denn sie sind vielleicht in der gleichen Straße geboren, oder sie können beweisen, dass sie genug Geld für die Miete haben – und das obwohl sie das im eigenen Wohnhaus nicht brauchen. Anders gedacht: wenn die Welt wirklich so ein ‚global village‘ wäre, wie man sagt, und es keine Grenzen und Staatsangehörigkeiten mehr gäbe, wie sehe die Welt dann aus? Würden dann wirklich alle nach Europa oder Amerika ziehen? Das kann ich mir nämlich ehrlich gesagt nicht vorstellen.

In gewisser Weise bindet einen doch die Kultur, die Sprache aber auch die Familie, die Freunde und das Gewohnte an das, was man Zuhause nennt. Ich kann mir gut vorstellen, dass in der Zukunft die Entwicklung immer mehr in Richtung „Weltbürger“ geht, und dass dies anfangs mit einem Ungleichgewicht verbunden wäre. Die Armen würden in die reichen Länder ziehen und damit den Wohlstand dadurch weltweit angleichen.

Aber nach dem anfänglichen Chaos würde sich die Situation vielleicht stabilisieren und müssten Regierungen sich was einfallen lassen, um ihre Länder und das Leben dort attraktiv zu machen. Billige Herstellungsländer gebe es dann keine mehr, da die Armen nicht mehr für einen Hungerlohn arbeiten würden. Es würde vielleicht eine Angleichung der Märkte stattfinden. Oder ist das viel zu einfach gedacht? Mit Sicherheit gibt es Leute, die da weitreichende Theorien zu haben, und habe ich mich jetzt politisch in die völlig falsche Ecke begeben mit diesen Gedanken. Für mich ist es ja tatsächlich irrelevant, ich hab ja zwei Pässe und wohne in einem der reichsten Länder weltweit. Und wenn ich wirklich will, wohne ich halt in Aserbaidschan, denn mir stehen (fast) alle Türen offen. Also, Amis – habt ihr halt Pech gehabt!

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